Das Qi Gong


Was bedeutet Qi Gong?
Was ist Qi Gong?
Die Geschichte des Qi Gong
Die Stile des Qi Gong
Qi Gong und die Kampfkünste

Was bedeutet "Qi Gong"?

Das Qi Gong auch bekannt unter dem Namen Ch'i Kung bedeutet in der wörtlichen Übersetzung "Bearbeiten des Qi" oder "Kultur der vitalen Energie". Weitere Übersetzungsmöglichkeiten sind "Fertigkeit im Umgang mit Qi" oder "Lenkung des Qi".
Qi lässt sich unter anderem mit "Atem", "Dampf", "Hauch", "Temperatur", "Kraft" oder "Energie" übersetzen. Das gleiche Schriftzeichen wurde früher auch für "Sonne" oder "Feuer" verwendet und stand zeitweise auch für "Reis", da dieser wenn er gekocht wird einen angenehmen Dampf (eben seine Energie) freisetzt.
Da Qi aber weder Materie noch Energie darstellt und eine genaue Definition in der chinesischen Medizin auch nicht vorgenommen wird, stellt eine Übersetzung stets nur einen unvollständigen Teilaspekt dar. In keinem der berühmten Klassiker Chinas werden Spekulationen über Form oder Aussehen angestellt. Man versteht in China Qi allein durch sein Wirken.
Es scheint daher angebracht auf eine Übersetzung sowohl des Wortes "Qi" als auch des Begriffes "Qi Gong" zu verzichten. Zumal deren ungefähre Bedeutung auch hier in Europa immer mehr bekannt wird.

Was ist "Qi Gong"?

Qi Gong bezeichnet ein System, das Übungen zur Stärkung, Gesunderhaltung und Lenkung des Qi beinhaltet und wurzelt in der Philosophie des Taoismus.
Gemäß der chinesischen Medizin gibt es drei Arten Qi aufzunehmen.

  • Erstens: Yuan Qi (Ur-Qi), das von den Eltern übertragene sozusagen geerbte Qi.
  • Zweitens: Gu Qi (Nahrungs-Qi), das der Mensch mit der Nahrung aufnimmt.
  • Drittens: Kong Qi (Luft-Qi), das aus der Luft gewonnen wird.


  • Dementsprechend kennt das Qi Gong drei Säulen.

  • Erstens: Die Atmung, die sich unterteilen lässt in "Jing Gong" und "Dong Gong".
  • Zweitens: Bewegungsübungen (Dao Yin)
  • Drittens: Die Ernährung (Chang Ming)


  • Das Qi Gong lässt sich mehrfach unterteilen. Zum einen in die Begriffe "Nei Gong" und "Wai Gong", wobei Ersteres "innere Übungen" also die innere Bewegung des Qi bezeichnet und "Wai Gong" die "äußeren Übungen", also die körperliche Arbeit mit dem Qi bezeichnet. Für Nei Gong wird oft auch der Ausdruck "Jing Gong" (Ruhe-Übungen), die fast ohne Körperbewegung ausgeführt werden benutzt und für Wai Gong wird oft der Ausdruck "Dong Gong" (Bewegte-Übungen) verwendet.
    Eine dritte Form des Qi Gong ist das "Ying Gong", das vorallem Dingen von Kämpfern zur Abhärtung geübt wird und oft zu kaum erklärbaren Leistungen führt.
    Je nach philosophischer Ausrichtung kann man Qi Gong unterteilen in die konfuzianische Schule (Rujia), die taoistische Schule (Daojia) und die buddhistische Schule (Fojia), wobei heutzutage sowohl in der praktischen Anwendung als auch im Ziel zwischen den einzelnen Richtungen selbst für Fachleute kaum noch zu unterscheiden ist.
    Eine weitere Unterteilungsmöglichkeit wäre in die medizinische Richtung, die das Qi Gong vorwiegend unter Gesundheitsaspekten "Yijia" und die Richtung, die das Qi Gong vorallem unter dem Aspekt der Kampfkünste betreibt, dem "Wujia".
    Weiterhin kann das Qi Gong noch in die im Vordergrund stehende Methodik unterteilt werden, zum einen in die "Schule der Stille" (Jing-Zuo-Pai), in der vorallem Dingen die Meditation betont wird, in die "Schule der bewußten Atmung" (Tuna-Pai), die vorallem Dingen mit Atemtechnik und Atemführung arbeitet. Letztendlich noch in die "Schule der inneren Alchemie" (Lian-Dan-Pai), die sich vorwiegend auf die Lenkung des Qi konzentriert.

    Die Geschichte des Qi Gong:

    So wie die chinesische Kultur die älteste Menschheitsgeschichte darstellt, hat auch die Medizin in China eine für den Westen oft unfaßbar lange Tradition. So sind Qi Gong Übungen aus der Zeit um ca. 2700-2500 v.Chr. bekannt. Erste Aufzeichnungen gehen auch auf den legendären gelben Kaiser zurück. Auf die Zeit der Zhou-Dynastie (1100-771 v. Chr.) gehen Bronzetafeln zurück, auf denen Qi Gong Übungen beschrieben sind. Früher bezeichnete man Qi Gong auch als Yang Xing (das Lebensprinzip nähren). Ca. 600 v. Chr. haben chinesische Ärzte Qi Gong erstmals nachweislich in ihre therapeutische Praxis einbezogen.
    Konzept und Grundlage des Qi Gong entstand vermutlich zur gleichen Zeit wie die Theorie von Yin und Yang, Wu Chi und Qi. Gleichzeitig entstand die Theorie der 3 Kräfte: Himmel (Tian), Erde (Di) und Mensch (Ren). Die Beziehungen dieser drei Kräfte untereinander ist eine der Hauptaspekte des Qi Gong.

    In der Zeit zwischen 200-400 n. Chr. kommt der Buddhismus nach China. Er nimmt die taoistischen Qi Gong Theorien auf und bereichert sie um die buddhistisch-indische Tradition. Zu dieser Zeit wird in fast allen buddhistischen und taoistischen Schulen Qi Gong gelehrt. Der Sinn des Qi Gong ist nicht mehr auf seine rein medizinische Wirkung beschränkt sondern man strebt mit seiner Hilfe auch dem Pfad der Erleuchtung an. Es wandelt sich also zu einem System, daß nun auf Körper, Geist und Seele wirkt.

    In der Zeit zwischen 520-550 n. Chr. erreicht Boddhidharma, der 28. Patriarch des Buddhismus China. Er entwickelt im Shaolin Kloster den Chan-Buddhismus. Er begründet in den Jahren seines Wirkens im Shaolin Kloster den Grundstein für das sehr kriegerisch orientierte Qi Gong des Shaolin Tempels (Shaolin Nei Gong). Unter anderem dadurch vermischt sich das buddhistische und das taoistische Qi Gong so stark, daß sie heute kaum noch zu unterscheiden, geschweige denn zu trennen sind. Sinn der Shaolin Übunge ist die Vermittlung von mentaler und körperlicher Stärke, Harmonie und Gesundheit.

    Während der Zeit der Song-Dynastie (960-1279 n. Chr.) wurde in die Kampfsysteme von Shaolin immer mehr Qi Gong eingebaut und schließlich die gesamten Kampfkünste von Shaolin fast vollständig auf den alten Qi Gong Systemen aufgebaut. (Wuxingxi = Tierspiele; Yue Yuan, Bai Yu Feng, Dr. Li Cheng). Einen weiteren großen Einfluß auf das Qi Gong hatte auch der im Shaolin Kloster ausgebildete General Yue Fei, der das Baduanyin entwickelte.
    Während der Zeit der Ming-Dynastie (1368-1644 n. Chr.) und Qing-Dynastie (1644-1911 n. Chr.) erfreut sich das Qi Gong in ganz China größter Popularität.
    Erst mit dem Opiumkrieg (1840 n. Chr.) geht mit der Beliebtheit der Kampfkünste auch die der TCM und damit auch des Qi Gong zurück.
    Während der Zeit der Kulturrevolution (1966-1967) mussten viele Qi Gong Meister unter dem Druck der Verfolgung ins Ausland fliehen. Seit dem Ende der Kulturrevolution erlebt die chinesische Medizin wieder ein immer stärkeres Aufsteigen und einen immer größeren Zulauf, auch im Westen (Europa, USA) und wird in China selbst gleichberechtigt neben der Westlichen praktiziert.

    Die Stile des Qi Gong:

    Im Laufe der Jahrhunderte haben sich im Qi Gong viele hundert verschiedene Stile gebildet. Da eine ausführliche Erläuterung jedes Stils daher fast unmöglich ist, sollen hier nur einige der bekanntesten Beispiele genannt werden:
    • Baduanjin (8 Brokate)
    • Baihe Qi Gong (Weißer Kranich Qi Gong)
    • Chanmi Qi Gong (geheimes Chan Qi Gong)
    • Jingluo Qi Gong (Meridian Qi Gong)
    • Shaolin Neigong (innere Übung im Shaolin)
    • Taiji Qi Gong (Taiji Qi Gong)
    • Tiebushan (Eisenhemd Qi Gong)
    • Waiqi Liaofa (medizinisches Qi Gong)
    • Wuqinxi (5 Tierformen des Huo Tou)
    • Xisuijing (Knochenmarkwäsche)

    Die obige Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

    Qi Gong und die Kampfkünste:

    Das Qi Gong mit seinen Atemübungen, seiner Bewegungsschulung, seinem mentalen Training und der Meditation bilden einen wesentlichen Teil der chinesischen Kampfkünste.

    Die Übungsmethoden des Qi Gong, die seit Jahrtausenden existieren bilden je nach Stil ein in sich geschlossenes System.

    Von den heute existierenden mehreren hundert bis tausend Stilen stehen etliche in direkter Verbindung zu den Kampfkünsten.